Mirandolina sw

"Mirandolina"
becirct die Männerwelt

Dilsberger Burgbühne
begeistert mit zeitloser frivoler Thematik
 
30.06.2006


 
 
Cosa fai (was nun) Mirandolina?
Die Thematik des Stückes, welches vor 250 Jahren entstand, ist zeitlos und handelt von menschlichen Schwächen und Lastern, wie Heuchelei, Schöngeisterei, Intrige und List. Die menschliche Beziehungen und vor allem die zwischen den Geschlechtern, ist ein unerschöpfliches Thema über die Jahrhunderte hinweg. Der Zusammenhang von Liebe und Ökonomie steht zwar im Vordergrund, beachtenswert sind allerdings die humorvollen Sprachspiele. Die Fassung von Goldoni und Turrini wurde von Regisseur Alfons Duczek überarbeitet und durch zeitgemäße Veränderungen aufgepeppt.
 
Stueck02 Stueck01
Gekonnt führte die Ansagerin (Katharina Ruf) das Publikum durch die Geschichte. Ironisch stellt sie die Personen des Stückes, mit all ihren Stärken und Schwächen, vor und löste damit bereits ein Schmunzeln aus. Heute galt es sich zurück zulehnen und zu genießen, für Denkprozesse wurde jede Haftung abgelehnt und schon war man mitten drin, in Florenz, in einem Gasthaus der Mittelklasse.
 
Stueck03 Stueck04 Stueck05 Stueck06
Da ist Mirandolina (Corinna van Soldt), die gleichermaßen hübsche wie kluge Pächterin des Gasthauses, die ihrem Kellner Fabrizio  (Markus Winter) die Arbeiten des heutigen Tages erklärt. Fabrizio stammt aus Neapel und ist ein sympathisches Schlitzohr. Von der „besseren“ Gesellschaft logieren zur Zeit bei Mirandolina: der Marchese von Albafiorita (Stephan Orlamünder), der zwar verarmt ist aber sich immer noch für etwas Besonderes hält; im Gegensatz dazu ist der Graf von Forlipopolis (Gerhard Schilling) stinkereich aber auch sehr berechnend; der Cavaliere von Rippafratta (Axel Bedbur) vertritt sozusagen den Hochadel und bekommt fast immer was er will.

Stueck07 Stueck08 Stueck09
Während der Marchese und der Graf um die Gunst von Mirandolina buhlen, handelt es sich bei dem Cavaliere um einen Frauenfeind, der die beiden Verliebten als krank bezeichnet. Der Marchese versucht sein Glück mit wohlklingenden Worten und der Graf mit wertvollen Präsenten. Da die Wirtin den Grafen nicht beleidigen möchte, nimmt sie sein großzügige Geschenk an.
 
Stueck10 Stueck11 Stueck12
Mirandolina lässt ihren ganzen Charme spielen und macht sich raffiniert an den Cavaliere heran. Zuerst serviert sie ihm ein köstliches Mahl, umgarnt ihn mit schmeichelnden Worten und entlockt ihm zaghafte Gemütsregungen. Schüchtern getraut er sich neben ihr Platz zu nehmen, doch ständig kommt es zu Störungen durch die anderen Gäste.
 
Stueck13 Stueck15 Stueck14
Fabrizio entwickelt einen listigen Plan und engagiert zwei Schauspielerinnen, um seine Nebenbuhler los zu werden. Überzeugend kann er Dejanira (Gisela Krambeer-Müller) und Ortensia (Kathrin Becker) für sein Vorhaben gewinnen, allerdings nicht ohne sich selbst von den wohlproportionierten Formen der Ladys zu überzeugen.
 
Stueck17 Stueck16 Stueck18
Die Formen von Ortensia stechen auch dem Marchese sofort ins Auge und er schwärmt von diesen Bergen. Doch nur so lange, bis er von Dejanira vernimmt, stolze Besitzerin von dreitausend Hektar Land zu sein, womit sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit erweckt. Der Graf aber bietet Ortensia galant den Arm zum Lust wandeln.
 
Stueck19 Stueck20 Stueck21 Stueck22
Der Cavaliere entdeckt seine Gefühle für Mirandolina und geht vor ihr auf die Knie. Als sich die Gerüchte, welche über sie kursieren als unwahr herausstellen, ist es vollends um ihn geschehen. Er betet Mirandolina an und gesteht vor den anderen Gästen seine Liebe. Als der Marchese und der Graf sich über ihn lustig machen, verrät er ihnen, wer ihre edlen Damen in Wirklichkeit sind.
 
Stueck23 Stueck24 Stueck26
Während einem heißen Disput kommt die ganze Wahrheit ans Tageslicht, worauf der Cavaliere, Fabrizio am liebsten rauswerfen würde, aber da mischt sich endlich Mirandolina ein und rechnet mit den Streithähnen ab. Der Cavaliere verlässt nicht verstehend den Raum und der Graf wechselt gemeinsam mit dem Marchese in eine exquisite Pension mit einer zuckersüßen Wirtin.
 
Stueck25 Stueck27 Stueck28
Bleiben nur noch Mirandolina und Fabrizio übrig, die endlich offen miteinander reden. Verlegen gesteht Fabrizio seine Liebe und als er erkennt, dass Mirandolina seine Gefühle erwidert, schließt er sie endlich in seine Arme.
 
Stueck36 Stueck34 Stueck38 Stueck35
Die Bediensteten (Günter u. Markus Engel, Simon Winter) brachten mit ihrem Schalk die Besucher auch ohne Worte zum Schmunzeln. In breitestem regionalen Dialekt verkündete Günter Engel die für die Schauspieler dringend notwendige Pause und lud die Zuschauer zu einem Pausenumtrunk ein.
 
Stueck32 Stueck30 Stueck33
Zwischen dem ersten und zweiten Akt unterhielt die Ansagerin das Publikum mit dem „Lied von der Intrige“ und zwischen dem zweiten und dritten Akt erklang das „Lied vom Unterschied“. Diese Chansons mit treffenden, stückbezogenen Texten wurden musikalisch von Susana Simon-Gilles auf der Gitarre begleitet und waren eine gelungen Einlage.
 
Text: boe
Bilder: bz