Roseplakat1980
Plakat von Helmut Striegel Dilsberg
Umbau1979
Bühnenrenovierung 1979 für die Aufführung der "Rose" 1980
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Banner über dem Burgtor von Rupert Dworschak
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Anni Richter engagierte sich mit dem Ziel, sämtliche Kostüme für Volk, Elfen und Rittersleut in eigener Regie herzustellen!
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Sechzehn Jahre später - 1980

Im Tale ist schwunden die Sonne
Die eben noch freundlich gelacht
Jetzt naht in erquickender Wonne
Ganz heimlich und leise die Nacht ...

 (Rose-Manuskript 1910)


Unzählige Anfragen aus nah und fern, an die Adresse der Gemeinde gerichtet, bewiesen über Jahre hinweg die nach wie vor ungebrochene Ausstrahlungskraft der "Rose". Wie von selbst stellte sich die Frage nach einer Wiederaufführung des Stückes.
  
Die Initialzündung hierzu ging diesmal von Ortsvorsteher Stefan Wiltschko aus. Er organisierte eine Zusammenkunft für Interessenten dieses Vorhabens im Gasthaus "Pflug", Dilsbergerhof. Seinem Aufruf folgten u.a. auch Spielerinnen "älteren Semesters". Aber was für eine Begeisterung brachten sie mit! Vor allem diese gezeigte "Rose"-Leidenschaft überzeugte den Dilsberger Ortsvorsteher, das Wagnis einer Neuinszenierung einzugehen. Über die Arbeit, die Verantwortung und die immense Organisationstätigkeit war er sich bewusst, das alles war einschätzbar, auch das finanzielle Risiko.
 
Aber der Erfolg? Die inzwischen verfallene Freilichtbühne war ganz zu erneuern, neue Sitzgelegenheiten mussten geschaffen werden, Kapital dafür war so gut wie nicht vorhanden. Und ganz bestimmt kein alltäglicher Vorgang: Ein "Rose-Fan" bot sich an, als Bürge für die Geldbeschaffung einzustehen! Glücklicherweise. Denn ohne diese Bereitschaft hätten die Spiele 1980 vermutlich nicht stattfinden können.

Nicht nur der Schweiß floss! Bei strömendem Regen wurden zentnerschweren Lagersteine für die Sitzbänke im Pfarrgarten herangekarrt und gesetzt. Der Bauhof der Stadt Neckargemünd (Dilsberg war zum 1. 1. 1973 eingemeindet worden) unterstützte tatkräftig dieses Vorhaben. Sie errichteten gemeinsam mit den Dilsbergern eine schöne Stützmauer und eine Treppe aus Buntsandstein für die Bühne. Nachdem auch der Zuschauerplatz fertiggestellt,  das Ganze rundherum erneuert und bearbeitet worden war, ließ sich das Ergebnis sehen! Hier wurde eine optimale Spielmöglichkeit für alle zukünftigen Aufführungen geschaffen, war alles auf "Rose"-Atmosphäre vorbereitet, stimmte das Ambiente!

Inzwischen war Friedrich Roth, der unvergessene Regisseur der Spiele, verstorben. Als Nachfolger konnte man seinen ältesten Sohn Werner als Regisseur gewinnen. Ein Problem allerdings tauchte in dieser neuen "Fernseh"-Medienzeit auf. Die allentscheidende, bange Frage:
"Ob sich in einer von Gedanken der ungebundenen Freizeit geprägten Gegenwart genug Schauspieler für die Hauptrollen und - vor allem auch eine genügende Anzahl - für das "Volk"  in Dilsberg finden lasse?"

Man fand! Die Unsicherheit war jedoch nicht von der Hand zu weisen! Dem Gremium der Verantwortlichen gelang zwar ohne weiteres das "Rose"-Vorhaben - aber es waren dieses Mal wirkliche Anstrengungen vonnöten gewesen, die Hürde der erwünschten Gesamtzahl an Laiendarstellern zu nehmen. Trotz aller "normalen" Widerwärtigkeiten - die Aufführungen verliefen nach Plan.

Das beste Spieljahr wurde 1980 trotzdem nicht - des schlechten Wetters wegen! Viele Veranstaltungen in der Region mussten wegen Dauerregens in diesem Sommer abgesagt oder verschoben werden. Aber Ende gut, alles gut. Nicht nur die Dilsberger hatten das Glück, dass im Juli der Wettergott ein Einsehen hatte. Die Sonne setzte sich durch und entschädigte damit die von der Dorfgemeinschaft auf sich genommene Mühe.
 
Ende Juli wurde eine Aufführung vom Tageblatt folgendermaßen beschrieben: "Johannisnacht senkt leise sich hernieder"; diese Textpassage wurde an diesen heißen Julitagen Wirklichkeit, und als noch der "Mond aus fernen Wolken" leuchtete, war endlich jene Atmosphäre da, welche die "Rose" vollends zum Blühen brachte, den "Jahrhundertregen" der letzten Wochen vergessen ließ und allen Zuschauern ein echtes Erlebnis bescherte. Dichtgedrängt - der sprichwörtliche letzte Fingerbreit Boden war besetzt.“

Rückblickend auf 1980 sei noch erwähnt, dass dieses Mal nicht nur Dilsberger als Spieler dabei waren, auch Darsteller aus der Kernstadt Neckargemünd waren mit von der Partie, wie auch Leute von Mückenloch und Ziegelhausen. Inzwischen hatte sich in Dilsberg ehrenamtlich Anni Richter engagiert, mit dem Ziel, sämtliche Kostüme für Volk, Elfen und Rittersleut in eigener Regie herzustellen! Sie suchte in Büchern nach mittelalterlichen Darstellungen für die Kostüme und schneiderte diese stilgerecht und so getreu wie möglich nach den alten Vorlagen. Den Schwierigkeiten zum Trotz, geeignete Stoffe und ebenso die notwendigen Utensilien (Knöpfe usw.) für die Herstellung der Roben zu finden: für die Spielsaison 1980 konnte sie schon annähernd dreißig schöne Gewänder bereitstellen (im Jahre 2000 sind es fast 140 Kostüme geworden). Diese reichen beinahe ganz, damit die "Rose"-Aufführungen auszustaffieren. Lediglich die Ritterrüstungen müssen noch angemietet werden. Anni Richter verwahrt ihre Arbeiten, pflegt und hegt sie. Für diverse Theater-Aufführungen der „Burgbühne Dilsberg e.V.“ stellt sie diese Kostüme bereitwillig zur Verfügung.

Die (doppelte) Rollenbesetzung 1980:
Grafentochter Rosamunde: Ute Roos/Silvia Hornung;
Wolf von Hirschhorn: Alexander Biermayer/Hans Bellem;
Graf von Lauffen: Willi Ohlheiser/Ernst Roth;
Grafenmutter: Christa Kohl/Gertraud Link;
Fahrender Gesell: Reinhard Greulich/Rudolf Ohlhauser;
Pförtner: Hermann Streib/Stefan Wiltschko;
Türmer: Georg Fischer/Manfred Müller-Richter;
Schlosshauptmann: Hans-Hermann Erles/Hermann Seufert;
Landschad Pleikart: Heinrich Hornung/Werner Roth;
Renate: Martina Link/Claudia Weber, Monika Schwand;
Herold: Karl-Heinz Hauswirth/Paul Wildenberg;
Ulrich, Sohn des Landschad: Walter Gunst/Jürgen Hornung.
 
Frl. Arnold und Traudl Lachenmaier leiteten den Kinderchor, Hildegard Bodner übte den musikalischen Part für die Hauptrollen ein, der Fanfarenzug Dilsberg stellte die Turmbläser ab und Herbert Schweikert gestaltete die musikalische Begleitung während der Aufführungen. Die aufwendigen bühnentechnischen Arbeiten standen unter Leitung von Klaus Lehr.


Text: Frans Hermans 2000
Bilder: Archiv Frans Hermans/Rupert Dworschak

 
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Hermann Streib - Rudolf Ohlhauser
 Manfred Müller-Richter  
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Silvia Hornung - Hans Bellem  Ute Roos Manfred Müller-Richter
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Silvia Haaf-Hornung "Lenker der Dinge" Georg Fischer