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„Gespenst von Canterville“
konnte endlich erlöst werden


Überzeugende Premierenvorstellung der Dilsberger Burgbühne Premierenvorstellung

24. Juni 2005

 
 
Nach dem Lied „Greensleeves“ begrüßte die erste Vorsitzende der Burgbühne Gisela Krambeer-Müller die Premierengäste und lud sie ein gleich Zeugen eines fürchterlichen Verbrechens im Jahre 1575 auf Schloss Canterville zu werden. Die Folgen dieser Tat reichen bis in das Jahr 2005, in dem der Hauptteil der Geschichte spielt.

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Im Saal von Schloss Canterville erwartet die hochschwangere Lady Eleonore ihren Gatten Sir Simon von der Jagd zurück. Gemeinsam mit seinem Freund und Waffenbruder Sir Geoffrey lässt er die erfolgreiche Jagd Revue passieren und die Musikanten aufspielen. Auch zwei „Ladies“ aus den Zuschauerreihen werden zum fröhlichen Tanz gebeten.
 
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Erschöpft sinken die Waffenbrüder auf den Stuhl und laben sich an gutem Wein. Bei einem frevlerischen Disput über die Hexenverfolgung und die Kirche kommt es fast zum Krach zwischen den Freunden und als Sir Simon gefragt wird ob ihm denn nichts heilig sei, meint dieser, doch meine Gemahlin.
 
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Der Diener meldet Sir Simon den Besuch seiner Pächter die Einlass begehren, der sie aber nicht empfangen will. Als der Diener versucht seinen unerbittlichen Herrn für die Nöte der Bauern milde zu stimmen, lässt ihm dieser 25 Peitschenhiebe versetzen, damit er aufhört zu denken. Dann macht er sich mit seinem Schwert auf zu den Bauern und verkündet lachend, dass dieser Tag viel Blut kosten wird.
 
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Sir Geoffrey buhlt erneut um die Gunst von Lady Eleonore, was diese als äußerst unschicklich empfindet und ihm die Tür weist. Gekränkt verkündet der Zurückgewiesene, dass sie dann auch kein anderer haben soll. Als Sir Simon zurückkehrt erzählt er ihm, dass Eleonore den Balg eines Anderen unter ihrem Herzen trage, worauf dieser rasend vor Eifersucht seine unschuldige Gemahlin ersticht. Entsetzt registriert er was getan und wer ihn zu dieser Tat getrieben hat. Niemals will er ihm das verzeihen und ist verdammt auf seinem Schloss als Geist so lange sein Unwesen zu treiben, bis er alle Nachfahren der de Malvoisins getötet hat.
 
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Nach einem Zeitsprung in das Jahr 2005 sieht man Ellie und ihren Mann, Butler Benson, die alles zum Empfang des jetzigen Lord Canterville richten, der aus finanziellen Gründen gezwungen ist sein Schloss samt Personal an Amerikaner zu vermieten.
 
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Lord Canterville und die Bediensteten erwarten voller Spannung die neuen Mieter, vor denen kein Wörtchen über das Gespenst verloren werden darf, damit mit dem Mietvertrag nichts mehr schief gehen kann. Als Familie Otis mit ihren zwei lebhaften Söhnen und ihrer verträumten Tochter eintrifft, betrachten sie ihr neues Domizil und erhalten vom Lord letzte Instruktionen. Die Otis Jungs William und John nehmen den Butler ins Visier und stellen süffisant fest, dass er gar nicht ausgestopft ist: „Huch, es spricht! Und sogar fließend!“
 
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Virginia entdeckt vor dem Kamin einen Blutfleck und die Familie beharrt auf einer Erklärung. Nun muss Benson doch mit der Wahrheit herausrücken und erzählt pietätvoll von dem Mord vor 400 Jahren. Als Ellie entdeckt, dass der Blutfleck wieder verschwunden ist, fällt sie in Ohnmacht und wird auf die Couch getragen. Später bieten ihr die Otis zur Stärkung einen Whiskey an, den sie dankend annimmt und gleich die ganze Flasche ansetzt.
 
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Um Mitternacht bewahrheiten sich Ellies Befürchtungen, das Gespenst zieht wieder ruhelos umher und betrachtet die schlafende Virginia. „Ich hasse euch für euer Leben, das euch durchpulst und mich ausschließt aus eurer Gemeinschaft.“ Mit diesen Worten packt er das Mädchen und würgt es, bis ihre Brüder auf ihr Schreien hin erscheinen und ihr zu Hilfe kommen.
 
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Virginia ist verzweifelt, weil ihre Eltern, die das Gespenst nicht sehen können, ihr nicht glauben. Traurig läuft sie durch den Garten und trifft auf George, der sie mit seiner unbeholfenen Art wieder zum Lächeln bringt. Der Geist beobachtet Virginia die verträumt Selbstgespräche führt und feststellt, dass sie sich in George, den letzten Nachkommen der Malvoisins, verliebt hat.
 
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Der Geist Sir Simon lädt George vor dem entscheidenden Gefecht zu einem Selbstgebrannten ein. Vergnügt unterhalten sie sich und werden immer beschwipster, bis sie schließlich volltrunken zu Boden gehen. Da naht die Gelegenheit für William und John, die Sir Simon für einen Vampir halten und ihn pfählen wollen. Als das nichts bringt, schießt William mit Silberkugeln auf den Geist – aber vergebens. Als Sir Simon erneut auf die Jungs zugeht, suchen sie voller Angst das Weite.
 
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Das Ehepaar Otis hat sich für einen Theaterbesuch herausgeputzt. Kurz vor der Abfahrt erscheint Virginias Freund, leider etwas zu früh, sehr zur Belustigung ihrer Brüder. Als George sich endlich verabschiedet, starten die Otis ohne ihre Kinder ins Theater. Virginia hofft sehnsuchtsvoll, dass ihr Freund noch mal zurückkehrt.
 
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Während Virginia auf George wartet erscheint ihr erneut Sir Simon, den sie schüchtern danach fragt, wie man einem Menschen gesteht, dass man ihn liebt. Er erzählt Virginia schwärmerisch, wie er seine Eleonore kennen lernte. Beide unterhalten sich intensiv über Gefühle aber auch über das Unrecht das Sir Simon erleiden musste. Dabei erfährt er, dass Geoffrey in seine Frau verliebt und diese unerwiderte Liebe der Auslöser für sein Handeln war. „Mylady - werft niemals aus Dummheit und Trotz eure Liebe weg. Ich habe es selbst erfahren, dass man sich seines größten Schatzes berauben kann – nur des Stolzes wegen.“
 
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Als George auf Canterville eintrifft kommt es zum entscheidenden Kampf. Angstvoll beobachtet Virginia den Schwertkampf und fleht verzweifelt Sir Simon an, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Aber es ist zu spät, auf diesen Tag hat er bereits 500 Jahre gewartet. Fast ebenbürtig werden die Klingen gekreuzt, da wird George getroffen und erwartet den Todesstoß. Virginia schreit entsetzt auf!
 
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Doch Sir Simon zögert, er bringt es nicht fertig und vergibt Georges Familie die Schuld. „Nur einmal – nur ein einziges Mal in unserem Leben stößt der Himmel ein Fenster auf und wir dürfen in das ewige Rad des Schicksals greifen. Aber verpassen wir diesen Augenblick – so ist er dahin – für alle Zeit.“ Sir Simon tröstet Virginia und überreicht ihr als Bürge für die Wahrheit seiner Worte, die Kette, die er seiner Frau am Tag ihrer Hochzeit schenkte.
 
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Sir Simon ist müde und bereit in den Garten des Todes zu gehen. Virginia aber weiß, dass er allein, ohne Fürsprache scheitern muss! „Erst wenn einer strahlenden Maid es gelingt, die Lippen des Sünders zum Beten sie bringt – die einst stumme Glocke ertönt. Das Kinderaug´ längst keine Trän´ mehr vergießt, der Mandelbaum, tot zwar, voll Leben ersprießt – dann sind alle versöhnt. Dann ist´s im Schlosse endlich still, und Friede herrscht auf Canterville.“ Sir Simon möchte sie auf diesen Weg nicht mitnehmen, aber Virginia hat keine Angst, will ihm die Pforte zum Haus des Todes öffnen und schwört George wieder zu kommen. Zuckende Blitze, lauter Donnerhall, dichter Nebel, der alte Mandelbaum in voller Blüte - Virginia kehrt zurück.
 
 
Stürmischer Applaus
 
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Am Ende erhielten die Schauspieler stürmischem Applaus und mehrere Verbeugungen waren unumgänglich. Die Akteure boten von der Neben- bis zur Hauptrolle eine überzeugende Leistung und pfiffige schlagfertige Dialoge sorgten für spannende kurzweilige Unterhaltung.
 
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Die gelungene Premiere lässt das Gespenst aber noch nicht ganz ruhen! Am 1./2. Juli; 8./9. Juli und 15./16. Juli jeweils um 20:00 Uhr wird es erneut auf der Freilichtbühne an der Dilsberger Burg sein Unwesen treiben und auf seine endgültige Erlösung hoffen.
 
Text: boe
Bilder: bz