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„fast FAUST“ - von der Tragödie zum Lustspiel
Spritziges Gastspiel der Kleinen Komödie Weinheim auf der Burgbühne
15. Juli 2011
 
Auf Einladung der Burgbühne Dilsberg gastierte die Kleine Komödie Weinheim mit „fast FAUST“ erstmalig auf einer Freilichtbühne. Das Lustspiel von Albert Frank nach J. W. von Goethe ist dafür nicht konzipiert, doch das machte für Regisseur und Schauspieler Roland Heitz zusammen mit Florian Kaiser den besonderes Reiz aus. Das Duo verzichtete auf großen Schnickschnack, benötigte keine große Kulisse, denn ihre Devise lautete: „Weg mit dem Ballast, hin zum Wesentlichen!“
 
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„Faust ist von Goethe, das weiß jeder; aber wer hat ihn schon mal gesehen, wer gelesen?“ Diesem bedauerlichen Zustand liefert das „Dramenterzett“ eine theatralische Kampfansage und benötigt für 57 Rollen keine 57 Schauspieler. Gründer, Intendant, Chefdramaturg und Erster Schauspieler André (Roland Heitz) will zusammen mit Heiner (Florian Kaiser) und Hannah Goethes Klassiker spielen. Doch Hannah kommt nicht, deshalb muss Heiner auch ihre Rollen übernehmen. So beginnt ein ungewöhnlicher Theaterabend, an dem zwei unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen, der an der Rivalität der beiden Protagonisten zu zerbrechen droht.
 
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Bei einer Tragödie vor Lachen in Tränen auszubrechen erscheint unpassend, doch bei „fast FAUST“ ist es unvermeidbar. Hier kamen sowohl Liebhaber des Klassikers als auch Theatermuffel auf ihre Kosten. Faust in komprimierter Form präsentierte in einer äußerst spritzigen Inszenierung beste Unterhaltung. Goethes Verse umrahmt von witzigen Dialogen und köstlichen Albernheiten, die eine gehörige Portion Spaß garantierten.
 
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„Das ist der Hammer!“ und „Die Mischung ist Klasse!“, urteilte ein restlos begeistertes Publikum. Die Darsteller glänzten als Verwandlungskünstler par excellence, im Nu wurde aus Mephisto ein Erdgeist, Engel oder das Gretchen und aus Faust die Hexe. Auch der Zufall spielte in Form einer schwarzen Katze mit, die just in dem Moment vor die Bühne stolzierte als Faust fragte: „Siehst du dort den schwarzen Hund?“
 
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Die Zuschauer übernahmen nach kurzer Probe den Part des jubelnden Volkes als hätten sie nie etwas anderes getan und textsicher schallte „Hoch Faust!“ durch das Rund. Eine Zuschauerin sprang kurzfristig als Souffleuse ein und bemerkte zur Freude des Publikums, dass es gar nicht einfach ist, es den Schauspielern recht zu machen.
  
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Die Kleine Bühne Weinheim servierte die komplette Faust-Geschichte in kurzweiligen 90 Minuten „Schauspieler, die Schauspieler spielen, das ist sehr reizvoll.“, bekannte Florian Kaiser. Für Roland Heitz, der auch als klassischer Faust auf der Bühne stand, ist es ein besonderer Reiz Faust als Klamotte im positiven Sinne zu spielen. „fast FAUST“ ist das Lieblingsstück der beiden exzellenten Schauspieler und das spürte das Publikum.
 
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Die erste Aufführung auf einer Freilichtbühne und die Zusammenarbeit mit der Burgbühne, bescherte den Beiden nach über 40 Aufführungen eine weitere Premiere. Eine tolle Atmosphäre, Schauspielkunst vom Feinsten, ein interaktives Theater bei dem sich das Publikum köstlich amüsierte und voller Begeisterung mitging. „Obwohl ich Faust nicht mag, das war gigantisch!“, schwärmte eine junge Zuschauerin.
 
Text: boe
Bilder: bz
16.07.2011