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BB Rose2018

Die Rose von Dislberg
von Dieter Niedermayer - frei nach B.H. Hottenroth
  

Zirka alle 5 Jahre spielt die Burgbühne ihr Traditionsstück, ein tragisches Spiel aus vergangener Ritterherrlichkeit, nach Bruno Hermann Hottenroth. Jedes Jahr in der Johannisnacht wiederholt sich das damalige Geschehen und wer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, der kann in dieser Nacht das Wunder miterleben.

Die Sage erzählt die Geschichte der Rosamunde von Lauffen, genannt Rose. Ihr Vater und Pleikard von Steinach waren einst Freunde, leben jedoch seit längerem im Zwist. Als sich Rose in Ritter Wolf verliebt, der bei ihrem Vater um ihre Hand anhält, sucht auch der Steinacher seinen alten Freund auf, angeblich um Frieden zu schließen. Doch am Hochzeitstag kehrt sein Sohn, der vermisste Steinacher Ritter Ulrich zurück, dem Rose als Kind zur Frau versprochen war und fordert sein Recht. Es kommt zum entscheidenden Kampf, der ein tragisches Ende nimmt.
Schwert GemaeldeDurch eine erste Bearbeitung des Stoffes vor 5 Jahren durch Alfons Duczek kam neuer Schwung in die alte Geschichte. Hier stolperte Niedermayer jedoch über die Rahmenhandlung, in der Jugendliche den Zuschauer in die Geschichte einführten. Ein Motiv das von der Burgbühne in folgenden Stücken mehrfach aufgegriffen wurde. Niedermayer schuf daher eine neue Figur, auch um dem Thema Johannisnacht mehr Mystik zu verleihen. Danach passte jedoch nichts mehr zusammen, so dass eine neue Fassung der „Rose“ entstand. „Bei der Bearbeitung des Stoffes war mir wichtig, die Figuren individueller zu gestalten und ihre Handlungsmotive klarer heraus zu arbeiten. Bislang nur Erzähltes sollte erlebbar werden und ein neues Element in die Rose Einzug halten - Humor!“

   
Weitere Informationen und Berichte:
Alle Darsteller auf einen Blick
„Rose von Dilsberg“ - Tradition frisch präsentiert

„Die Rose von Dilsberg“ im 21. Jahrhundert
Johannisnacht bewirkt reges Treiben auf der Burgbühne
Burgbühne startet mit Casting in die neue Saison
Info-Veranstaltung für interessierte Volk-Darsteller
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Interviews & Proben
Trailer Generalprobe
"Die Rose von Dilsberg" komplette Aufführung

 
Regie Regisseur:
Seit über 30 Jahren spielt Dieter Niedermayer Theater und das auf verschiedenen Bühnen. Es begann im Schultheater, seit 1994 ist er bei der Interessengemeinschaft Volksschauspiele Nußloch, spielt bei der „Kleinen Bühne“ Neckargemünd und war vor zwei Jahren als Pirat Smee auf der Burgbühne zu sehen.
 
Die Regiearbeit ist für ihn eine Premiere und mit dem Traditionsstück der Burgbühne eine gleichermaßen herausfordernde wie reizvolle Aufgabe. "Ich hoffe, dass ich diesem traditionsbeladenen Stoff mit dem notwendigen Respekt begegnet bin, bin mir aber sicher, dass ich den konservativen Freunden der 'Rose' einiges abverlangen werde. Die Burgbühne hat in den letzten Jahren mit vielen großartigen Inszenierungen viele Freunde auch außerhalb der Region gefunden. Mein Anliegen ist es daher, allen Zuschauern einen vergnüglichen aber auch bewegenden Theaterab end zu bereiten.“
  
Die Geschichte:
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„Hört, Ihr Leut, und lasst Euch sagen, unsere Uhr hat elf geschlagen, …“ Nachtwächter wissen stets die rechte Zeit, so auch bei der Rose 2018, dem Traditionsstück der Burgbühne, der von Regisseur Dieter Niedermayer ein neues Gewand verpasst wurde. Kaum hat er seinen Rundgang beendet machen sich Kinder am Tor zu schaffen, die sich vom Burgpächter seine Schlüssel „ausgeliehen“ haben, um sich auf Geistersuche zu begeben.
  
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Ein knisterndes Geräusch versetzt den Wagemutigen einen gehörigen Schrecken, doch nach der Devise „einer für alle und alle für einen“ setzen sie ihren Weg zum Brunnen fort, von dem man erzählt, dass von hier allerhand Spuk ausgehen soll. Der ist so tief, dass sie den Grund nicht sehen können und Steine reinwerfen, aber man hört nichts. Da versuchen sie es mit einem großen Exemplar, wieder nichts - doch plötzlich spritzt eine riesige Wasserfontäne auf und die Kinder rennen in panischer Angst aus der Burg.
  
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Nebelschleier umhüllen die Burg, mystische Klänge erklingen und der wehmütige Gesang der Elfen erfüllt die Nacht. Aus allen Richtungen erscheinen sie tanzend und  gedenken ihrer Rose - wie alle Jahre in der Johannisnacht. Da erscheint die Oberelfe, die andächtig die Rose trägt und am Brunnenrand niederlegt. Auch die ganz kleinen, noch übermütigen Elfen spüren deutlich, heute ist eine ganz besondere Nacht.
 
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Mit seinen weichen, fließenden Bewegungen versprüht der Elfentanz und -gesang einen unwiderstehlichen Reiz und verzaubert die Zuschauer.
Eine gelungene Choreografie von Romie Niedermayer, die trotz ihrer 16 Jahre bereits über eine große Portion an Tanzerfahrung verfügt und vor Ideen sprüht. Elemente aus der Tanzpädagogik wurden von den Elfen exzellent umgesetzt. Kurzum die Elfen rührten gleich zum Auftakt die Herzen der Zuschauer.
  
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Die Stimmen der Elfen vernimmt auch der Brunnengeist, der sich geheimnisvoll aus dem Brunnen räkelt und nach der Rose greift. Seit fast 800 Jahren lebt er in der Tiefe, doch jetzt klettert über den Rand nach draußen, reckt und streckt sich und  stellt erstaunt fest, dass er heute Nacht Besuch hat.
 
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Humorvoll erzählt er von seinen Fundstücken, die ihm die Leute in den Brunnen werfen, deren Bedeutung ihm jedoch Rätsel aufgeben. Sein wertvollster Besitz ist  eine Rose, die in dieser Nacht ihre Geschichte erzählt.
Ein Erzähler, der es gekonnt versteht geschichtliche Hintergründe mit einer Brise Humor versehen rüberzubringen und dem Publikum kurzweilig die Zusammenhänge der Geschehnisse vermittelt. So leitet er die verschiedenen Szenen mit eigenem Charme und einem zwinkernden Auge unterhaltsam ein.
 
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Auf der Burg gibt es für den Vogt und seine Knappen einiges zu tun, denn am Abend soll Hochzeit gefeiert werden. Bis die ersten Gäste eintreffen muss der Wein aus den schweren Fässern in den Kannen sein. Das letzte Fass ist am schwersten und die Knappen bitten erschöpft um einen Schluck, ihre Kehle ist schon ganz trocken. Aber anstatt Wein spendiert der Vogt zum Leidwesen der Beiden nur einen Becher Wasser aus dem Brunnen. Dabei entdeckt er den Brunnengeist, den er für den Türmer hält und ihn auf seinen Aussichtsposten schickt, denn heute sei höchste Wachsamkeit von Nöten, da er dem Steinacher auf der anderen Neckarseite nicht traut. Anlass dazu geben ihm Gerüchte, die besagen, dass Rosamunde einst dem Sohn des Steinachers versprochen wurde. Unterdessen haben sich die Knappen am Weinfass zu schaffen gemacht und sich eine Kostprobe  munden lassen.
 
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Die Begeisterung der Kinder über das Eheversprechen ihrer Väter hielt sich schon damals in Grenzen, wie ein Rückblick zeigt. Klein Ulrich kämpft gegen einen imaginären Gegner und zeigt Rosamunde voller Stolz sein Schwert, ein Geschenk seines Vaters zur Verlobung, was sie wenig beeindruckt. Als Renate um Durchlass bittet, um dem Küchenmeister sein Gemüse zu bringen, verlangt er Tribut und metzelt ihren Kohlkopf nieder. Renate geht mit den Überresten schluchzend in die Küche. Rosamunde findet Ulrichs Verhalten nicht ritterlich. „Ach Mädchen, ihr versteht das nicht. Blöde Kuh!“ Und sie kontert: „Selber, du Ritter-Rotz!“ Hitzig schlägt sie Ulrichs Schwerthand weg, die Waffe schleudert ihm ins Gesicht und er rennt blutend zu seinem Vater.
  
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Schon damals zeigte sich, dass die Verbindung unter keinem guten Stern stand. Die Zeiten wurden schlecht und viele Adlige - auch der Steinacher - versuchten durch Fehden getarnte Raubzüge ihr Einkommen aufzubessern, weiß der Brunnengeist zu berichten. Als Pleikard den Lauffener Grafen bezichtigte ein Pferd gestohlen zu haben, kam es zum Bruch und das Eheversprechen geriet in Vergessenheit.
Grafenmutter Kunigunde, die zu Visionen neigt, berichtet ihrem gutmütigen Sohn von ihrem Traum. Sie sah sie die junge Rose, die Junker Ulrich in die Arme schloss und fragt sich, was dies am Tag der Vermählung mit dem Hirschhorner bedeuten soll? Doch er tut es als  Hirngespinst ab, was sie erzürnt. Sie bittet ihren Sohn eindringlich: „Sei auf der Hut, ich glaube mein Traum birgt eine Botschaft, ich fürchte keine Gute.“
  
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Während der Brunnengeist die Szene im Freeze anhält, vermittelt er die geschichtlichen Zusammenhänge über den vom deutschen Kaiser Friedrich von Stauffen 1235 in Mainz verkündigten ewigen Landfrieden. Es waren unruhige Zeiten damals und das musste auch der junge Ulrich von Steinach erfahren, der in einen Hinterhalt geriet, als ihm ein Feind seines Vaters auflauerte. Doch zurück ins Jetzt und Hier, der Burgvogt kündigt einen Steinacher Knecht an, der ein Schreiben von seinem Herrn übergeben soll. „Ein Brief von Pleikard, ist der des Schreibens mächtig?“ Schmunzelnd nimmt der Graf das Pergament entgegen.
 
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„Ihr werdet es nicht für möglich halten, Ritter Pleikard bitte um Versöhnung und möchte anlässlich der heute stattfindenden Hochzeit, dem Brautpaar seine Aufwartung machen.“ Dem Graf fällt ein Stein vom Herzen: „Siehst du Mutter, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.“ Auch Kunigunde ist erleichtert und strahlt: „Vielleicht war mein Traum doch ein gutes Omen! Bleibt die Frage, ob er es ehrlich meint, doch die Hoffnung auf Frieden ist dieses Wagnis wert.“ Der Burgvogt ist diesbezüglich skeptisch und rät dem Grafen Vorsicht walten zu lassen. „Das werden wir, treuer Hans!“
 
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Rosamunde ist von ganzem Herzen dem liebenswerten Wolf von Hirschhorn zugetan und kann es kaum abwarten bis ihre Liebe vor dem Altar besiegelt wird. Renate (Dopelrolle) erinnert sich gut an die verliebten Blicke der beiden auf dem Hoftag des Pfalzgrafen: „Es hat mir fast das Herz zerrissen, dass ich euch zwei Liebenden trennen musste, weil der Anstand es verlangt.“ Rosamunde tröstet sie verschmitzt: „Bald bist du frei von deiner Bürde, auch wenn du deiner Aufgabe nicht immer gewachsen warst.“ Da fällt es Renate wie Schuppen von den Augen - na klar, die Rose, die Rosamunde seit geraumer Zeit immer trägt, sie ist von ihm und blüht wie am ersten Tag.
  
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Unverhofft taucht Wolf auf, will noch einmal Rosamunde sprechen, bevor er mit seinem Gefolge eintrifft. Die quirlige Zofe gibt sich geschlagen und lässt die Liebenden allein. Bevor er um ihre Hand bittet möchte er sicher sein, dass sie es auch genauso möchte wie er. „Das kommt darauf an, ob du mich fangen kannst.“, entgegnet sie keck und rennt los. Nach einem Geplänkel trickst er sie aus und hält sie als Gefangene fest in seinen Armen. Tief bewegt vor Glück versprechen sie sich ewige Liebe über den Tod hinaus.
 
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Dann heißt es bis zur offiziellen Werbung Abschied zu nehmen. Eine letzte Umarmung und eine entscheidende Frage: „Rosamunde wirst du für mich blühen, nur für mich?“ „Ja, Wolf, das will ich, blühen nur für dich, so wie diese Rose, die nicht zu blühen aufhört, so wie die Liebe nie vergehen wird, die ich für dich empfinde.“ Beide sind sich ganz sicher: „Unsere Liebe wird ewig währen.“ Nach einem innigen Kuss reicht sie ihm die Rose als Pfand und verabschiedet ihn, bevor man sie entdeckt. In einem bewegenden Lied verkündet sie ihre Gefühle.
Eine Szene die den Schauspielern viel abverlangt, Gefühle auf der Bühne zu zeigen, wahrlich kein einfacher Part, doch Saskia und Simon überzeugen par excellence und das Publikum ist gerührt. Bewundernswert ist auch die fantastische Stimme von Saskia, die auf der Bühne live singt.

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Der Burgvogt verkündet das Eintreffen von Pleikard, der sich schnellen Schrittes mit seinem Gefolge nähert. „Mein lieber Lauffen, wie ich mich freue, dass ihr meinem Angebot gefolgt seid unsere kleinen Zwistigkeiten hinter uns zu lassen. Hier, nehmt meine Hand, vergeben und vergessen!“ Zögerlich stellt der Graf fest: „Seit Jahren überzieht ihr mich wegen eines angeblich gestohlenen Pferdes mit Fehde, drangsaliert mein Landvolk und missachtet des Kaisers Friedensangebot und Schiedsgericht.“ Doch der Steinacher verkürzt die Diskussion: „Wollt ihr Frieden oder nicht? Nehmt meine Hand oder lasst es!“ Am Ende siegt die Vernunft und der Graf schlägt erleichtert in die Hand von Pleikard ein.
  
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„Lass uns auf den neuen Bund und unsere alte Freundschaft trinken.“, schlägt der Graf vor und lässt den großen Neckarhumpen füllen. Pleikard fragt den Lauffener, ob er zu seinem Wort stünde, wenn Ulrich noch am Leben wäre und ihm seine Tochter geben würde? „Ja, ich gab mein Wort!“, bekennt er und ist sich sicher, dass man Ulrich bei Schönau auflauerte, um sich für Pleikards Taten zu rächen. „Woher weißt du, dass seine Mörder in Schönau auf ihn lauerten? Ich hielt den Ort geheim.“ Die Gemüter erregen sich: „Bezichtigst du mich allen Ernstes, etwas mit dem Verschwinden deines Sohnes zu tun zu haben?“ Der Steinacher tut so als käme er ins Grübeln, zumal ihm nicht verborgen blieb, dass den Lauffener die Verbindung ihrer Kinder schnell reute, doch dann beruhigt er ihn, für so eine niederträchtige Tat sei er zu gut. Versöhnlich schlägt der Graf vor: „Kein Wort mehr, lass uns jetzt um des Friedens willen, den Humpen leeren.“
 
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Als Renate den Raum betritt, geht Pleikard auf sie zu, begutachtet sie von allen Seiten und verschlingt sie mit seinen Augen. Es scheint ihm sehr zu gefallen was er sieht, da er ihr spontan anbietet als Gesellschafterin in seine Dienste zu treten. Ohne lang zu zögern stimmt sie zu, allerdings erst, wenn ihre Mutter wieder gesund ist. Sein Bedauern weicht schnell einem panischen Rückzug, denn Renates Mutter hat angeblich hohes Fieber und zur Sorge ihrer Tochter bedecken Beulen ihren Leib, jetzt habe auch noch den Vater Fieber erfasst. Da gibt es für Pleikard kein Halten mehr, er entfernt sich und Renate kann dem Graf ungestört von einer weiteren Vision seiner Mutter berichten.
 
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„Herr Vogt, warum macht ihr so ein ernstes Gesicht? Ist euch eine Laus über die Leber gelaufen?“ Renate versteht es geschickt, dem Frauen gegenüber etwas unbeholfen agierenden Burgvogt, seine Sorgen zu entlocken. Auch wenn sie seine nebulösen Andeutungen zuerst nicht ganz versteht, so verspricht sie ihm am Ende ein achtsames Auge auf die Steinacher Knechte zu haben, damit die Ratte die sich eingeschlichen hat und sich als Maus ausgibt, dem Grafen nicht in die Hand beißt. Noch etwas macht dem Burgvogt zu schaffen, die schnelle Zusage von Renate in Steinacher Dienste zu treten, das würde er ihr nie verzeihen. „Ihr seid eifersüchtig!“ stellt sie vergnügt fest und drückt ihm einen Kuss auf die Backe. „Ihr seid süß! Aber ein Trottel, ein süßer Trottel!“
 
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Während die Waschweiber ihrer Arbeit nachgehen, gesellen sich die Fassknechte dazu und machen den jungen Wäscherinnen schöne Augen. Großspurig verkünden sie, dass sie beim abendlichen Fest dabei sein werden, als persönliche Vertraute des Burgvogts. Großzügig wollen sie beim Vogt ein gutes Wort einlegen, damit die Mädels sie begleiten dürfen. Doch da haben sie die Rechnung ohne den Vogt gemacht, der sie ertappt und ihnen die Ohren lang zieht. Zur Strafe müssen sie auf den Turm, Wache schieben.
 
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Voller Vorfreude treffen die ersten Gäste ein. Die Kinder sind ganz schön aufgeregt und stolz darauf, beim großen Fest dabei zu sein. Lebhaftes Geplapper und überall strahlende Gesichter, das zaubert auch dem Grafen ein strahlendes Lächeln ins Gesicht. Glücklich begrüßt er sein Volk mit Handschlag und gibt seinem Burgvogt die Order: „Lass alle herein, damit das Schlechte durch die Freude und den Frohsinn so vieler Menschen weggeschwemmt wird.“
  
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Ein anerkennendes Raunen geht durch die Reihen, als Rose in ihrem Hochzeitsgewand die Treppen herabschreitet. „Mein Kind, wie schön du aussiehst! Dein zukünftiger Gemahl kann sich glücklich schätzen, die schönste Braut heimzuführen, die dieses Tal jemals gesehen hat.“ Der stolze Vater reicht ihr die Hand. Da bittet Wolf von Hirschhorn um Einlass und verkündet sein Begehr: „Ich komme als Brautwerber und gehe, so Gott will, als Ehemann.“
 
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Verliebt berichtet Wolf dem Grafen, sehr zur Freude des begeisterten Volkes, von seiner ersten Begegnung mit Rosamunde und wie ein Blick in ihre wunderschönen Augen ihm Hoffnung schenkte. Seitdem träume er von diesem Tag. „Heute darf ich dir endlich nahe sein und dich in meine Arme schließen, für immer vereint. Willst du die Ewigkeit mit mir teilen?“ Nach einem zustimmenden innigen Kuss, erinnert sie in sanft daran, dass er etwas vergessen habe.
 
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Ja, in der Tat, er muss ja erst noch den Grafen um dessen Erlaubnis bitten. Eilig holt er dies nach und verweist darauf, dass er ihn als ehrlichen und aufrichtigen Mann kenne, der in der Lage sei eine Familie zu ernähren: „Als einfacher Bittsteller stehe ich heute vor euch und bitte um die Hand eurer Tochter. Ich schwöre, ich werde sie mein Leben lang verehren und schützen und treu an ihrer Seite stehen.“ Beeindruckt von seinem Auftritt hegt der Graf den vagen Verdacht, es könnte nicht die erste nähere Begegnung des verliebten Paares gewesen sein. Doch Renate zerstreut seine Befürchtung: „Herr, ich glaube das hier ist die wahre Liebe, auf den ersten Blick.“ Beruhigt erkennt er die Aufrichtigkeit der Werbung an und bittet den Hirschhorner aufzustehen.
 
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Das Glück erstrahlt in vollen Zügen, Wolf darf seine Rose ehelichen und noch ein weiteres Paar zeugt von zarter Liebesbande, mit sehnsuchtsvollem Blick greift Renate nach dem Arm des Burgvogts.Ein glücklicher Tag auch für Grafenmutter Kunigunde, die sich von ganzem Herzen über das Glück ihrer Enkeltochter freut und zusammen mit Renate aufmerksam das Geschehen verfolgt.
  
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Die Gaukler sind gekommen, um das Brautpaar mit ihren Künsten zu erfreuen. Neben einer Jonglage vom Feinsten fesselt ein wahrer Feuerzauber die Gäste. Gekonnt sind die Feuerspucker und -schlucker am Werk und tauchen mit faszinierenden Feuersalven den Abendhimmel in ein feuriges Rot.
Ein besonderer Dank gilt Dieter Kienzler und Andreas Zimmermann von der Gauklertruppe der Kleinen Bühne Neckargemünd, die an acht Aufführungen zusammen mit Rüdiger Zapf für eine attraktive Showeinlage sorgten.
 
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„Komm doch, Bräutchen, tanz mit uns den Ringelrein!“ Dilsberger Kinder überraschen das Brautpaar mit einem herzerfrischenden Reigen. „Wir bringen dir hier Rosen rot als Sinnbild heilger Liebesdingen und wünschen, dass bis hin zum Tod sie dir bescheret bliebe. Komm doch, Bräutchen, tanz mit uns den Ringelrein.“
Die Geschichte der Rose-Aufführungen belegt, dass für viele Laiendarsteller der Bühnenstart im Kinderreigen begann, sich über den Elfenreigen bis hin zu Hauptrollen fortsetzte und wer weiß, vielleicht war in diesem Reigen bereits eine Nachfolgerin für die Rose dabei.
  
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„Es ist soweit, liebe Gäste, geleiten wir das Brautpaar vor den Altar des Herrn.“ Voller Vaterstolz lässt sich der Graf eine Fackel reichen um den Brautzug anzuführen, da bittet ihn Pleikard um diese Ehre, als Zeichen der alten und neuen Freundschaft. Mit Verwunderung wird die Bitte vernommen, doch als auch Rose zögerlich meint: „Vater lass ihn!“, reicht er die Fackel an den Steinacher weiter. „Heinrich, freue dich doch, wenn selbst ich die Verbindung gut heiße.“ Er schwenkt die Fackel und fragt laut: „Wer sollte sonst der Vermählung im Wege stehen?“
  
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„Ich!“, hallt es lautstark durch die Nacht. Ein Unbekannter schreitet durch das Tor, nimmt Pleikard die Fackel aus der Hand und löscht die Flamme am Boden. „Wer seid ihr?“, will ein irritierter Graf von Lauffen wissen und vernimmt mit Entsetzen: „Steinacher Farben pflanz ich auf den Boden! Steinacher Klinge zieh ich aus der Scheide! Steinacher Rittersmann hebt das Visier!“ Lautstark fordert der Fremde sein Recht. Das Versprechen, dass ihm einst gegeben wurde. Der Graf will wissen was er meint und erschauert als er hört wer vor ihm steht: „Ulrich von Steinach!“ Erregt geht er auf Pleikard zu: „Treibst du eine böses Spiel mit mir? Ist das dein Blitz, der auf mich einschlägt? Ist das dein Sohn?“ Pleikard streicht um Ulrich herum, mustert ihn und zum Entsetzen aller stellt er genüsslich fest: „Ja, er ist es, ohne Zweifel!“
 
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Erschüttert klammert sich Rose an ihren Liebsten, der nicht verstehen kann, was hier vor sich geht. Ulrich erzählt wie es ihm in den letzten Jahren ergangen ist und warum er erst jetzt kommt um sein Recht zu fordern. „Dein Recht? Ein Wort in Weinseligkeit gesprochen, nimmt mir die Freiheit.“, schleudert im Rose entgegen und erklärt Wolf, dass Ulrich und sie seit Kindheitstagen versprochen sind. Verzweifelt ruft sie nach ihrem Vater und geht ihn suchen.
 
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Der verhandelt unterdessen mit dem gerissenen Steinacher, der bereit wäre gegen das doppelte Brautgeld auf die Ansprüche seines Sohnes zu verzichten.
Den verschlagenen Charakter des Steinacher gab Axel Bedbur gekonnt zum Besten und die ausgiebigen Pfiffe beim Schlussapplaus waren jedes Mal seine größte Belohnung. Herbert Heiligers dagegen hatte als gutmütiger Burgherr den Applaus auf seiner Seite.
  
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Wolf tritt auf Ulrich zu und bittet ihn inständig: „Lass von Rosamunde ab. Dir liegt nichts an ihr, aber ich mag ohne sie nicht leben.“ Aber der denkt nicht dran und entgegnet barsch: „Offenbar weißt du nicht, wann du verloren hast. Kehr zurück auf deine Burg und wähle dir eine andere.“ Doch Wolf gibt nicht auf: „Ich fordere dich als freier Ritter, kämpfe um dein Recht, denn ich erkenne es nicht an.“
Wolf und Ulrich, zwei starke Typen, die sich nichts schenkten und in ihrer Rolle souverän agierten. Das Publikum war jedenfalls restlos begeistert, unter anderem auch von ihrem fesselnden Schwertkampf.
   
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Genug der Worte, jetzt sprechen die Klingen und ein dramatischer Kampf beginnt. Das Hirschhorner und Dilsberger Volk ist zunächst wie versteinert, doch dann feuern sie mit lauten Zurufen Wolf von Hirschhorn an.
Am zweiten Aufführungswochenende wäre fast die Geschichte neu geschrieben worden, denn das Schwert des Steinachers brach entzwei und nur durch die spontane Reaktion eines Dilsbergers Knappen, der ihm blitzschnell sein Schwert zuwarf, konnte der Kampf drehbuchkonform beendet werden.
  
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„Seid ihr toll geworden, hört auf!“, schreit Rosamunde den beiden Duellanten zu. Da passiert es, ein winziger Moment der Unachtsamkeit und Wolf sinkt tödlich getroffen zu Boden. Rosamunde eilt - ins Mark erschüttert - zu ihm. Mit letzter Kraft gibt er ihr Pfand zurück, die unversehrte Rose und bittet sie, ihm die Augen zu schließen, wenn er hinübergeht. „Liebster bleib oder nimm mich mit wohin du gehst.“ Rose ist gefangen in Kummer und Verzweiflung.

Während der emotional bewegenden Szene hätte man eine Stecknadel ins Heu fallen hören können. Todesstille erfasste die Burgbühne und das Publikum hielt den Atem an. Simon ist nicht nur ein guter Schauspieler, er „stirbt“ auch äußerst ausdrucksvoll und so nahm nicht nur seine ergriffene Rose tränenreich Abschied, sondern auch im Zuschauerraum wurde so manches Taschentuch gezückt.
 
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Was für ein Tag, begann mit Freuden und endet im Blut. Bevor Rose mit dem Steinacher weg muss, bedingt sie sich Abschied zu nehmen, von ihrem Vater und der Burg. Grafenmutter Kunigunde ist es schwer ums Herz und Renate will Rose nicht allein lassen, doch die besteht darauf und bittet: „Bleib bei unserem treuen Vogt, ich fürchte Schlimmes. Lass nicht zu, dass heute noch mehr Blut fließt. Er liebt dich und wird auf dich hören.“ Dann eilt sie davon.
 
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Die Knappen wollen den Leichnam von Wolf in die Kapelle tragen, da kehren Pleikard und Heinrich zurück. Der Graf verlangt nach einer Antwort: „Junker Ulrich ist das euer Werk?“ Als er hört, dass der Hirschhorner den Kampf begann, hat er genug und schickt alle Gäste nach Hause. „Die Freude ist gewichen von diesem Ort, für lange Zeit. Geht!“
  
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Langsam erfasst Ulrich die Tragweite des Geschehens: „Vater, sie hat ihn geliebt!“ Doch Pleikard reagiert nicht und beruft sich auf sein Gastrecht, als ihm ein erzürnter Graf droht. Ulrich ist verwirrt, denn er hatte geglaubt,  dass es der Wunsch des Grafens sei, dass er hier erscheinen und die Hochzeit seiner Tochter verhindern sollte. Voller Enttäuschung muss er jedoch feststellen, dass ihn sein Vater zum Narren gehalten hat. Angeblich wollte er seine Entführung rächen, doch Graf von Lauffen schwört, dass er damit nichts zu tun hatte. „Aber fragt euren Vater was das ist!“ Als der Graf am Beutel zieht, fallen die Golddukaten heraus und Ulrich ist klar - er wurde verkauft.
 
Realistisch und feinfühlig schafft Clemens Hornung den Wandel - weg vom harten hin zum mitfühlenden Steinacher - leider bemerkt er zu spät, dass Rose Wolf geliebt und sein Vater ihn benutzt hat.
 
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Pleikard hat genug: „Was geschehen ist, ist geschehen! Steinacher Knechte vor! Wir brechen auf, auch du mein Sohn!“ Doch verbittert beschließt Ulrich kein Steinacher mehr zu sein, er will zurück nach Palästina, um sich dort einen neuen ehrenvollen Namen zu verdienen. Zornig will ihn Pleikard festhalten, da stellt sich der Burgvogt fordernd dazwischen: „Lasst ihn, ihr habt schon genug Unheil angerichtet!“ „Was fällt dir ein, Vögtlein, dich mir in den Weg zu stellen?“

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Das war genug der Provokation: „Gebt mir euer Schwert!“, verlangt der Vogt gereizt. Aber Pleikard hat noch immer nicht genug: „Mein Schwert, gut, wohin willst du es haben?“ Und schon entbrennt ein heißer Kampf, in den auch die Knappen der beiden Lager eingreifen. Renate ist entsetzt und stellt sich mutig den Streithähnen in den Weg. Ein greller Schrei: „Herr Graf, seht dort oben!“ Renate hat auf dem Söller Rosamunde entdeckt: „Haltet ein, kein Blut mehr!“, hallt es von der Mauer.
  
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Der Graf will wissen was sie dort macht und sie entgegnet: „Ich warte auf meinen Liebsten. Er wird kommen, die Rose hat es mir geflüstert. Renate, hier der Brautstrauß, er soll dir Glück und Liebe bringen, so viel wie ich jetzt fühle. Verzeih mir Vater, wenn ich ungehorsam bin, aber ich folge meinem Bräutigam. Er ist hier, ich kann ihn sehen …“ Ein letztes Mal breitet sie ihre Arme aus und springt.
 
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Laudatus deum, die Rose, sie blüht noch immer! Drei Elfen tauchen aus dem Nebel auf, greifen die Rose und zitieren bewegend:
 
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Lenker der Dinge, mit tränendem Auge,
qualvollen Herzens nahen wir heute;
neige dein Vaterherz huldvoll
und gnädig zu uns Geprüften.
Lenker der Dinge, in härtester Knospe liebesberauschend ließt du sie enden;
brachest den letzten Keim edlen
und stolzen Lauffengeschlechtes.
Lenker der Dinge, erbarmender Herrscher hör unsere Bitte, hör unser Flehen;
lass diese Blüte und diese Liebe immer
und ewig erblühen.
  
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Die Oberelfe nimmt die Rose in Gewahrsam und zieht sich mit ihren Elfen bis zur nächsten Johannisnacht zurück, ebenso wie der Brunnengeist, der sich in seinen Brunnen zurückkehrt.
  
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Den Schlusspunkt setzt Luise Ehrenfried mit dem Lied „The Rose“ und ein emotionales Finale zieht das Publikum in seinen Bann. Einzeln treten die Hauptdarsteller auf die Bühne, reihen sie stumm nebeneinander auf und im Zuschauerraum ist es mucksmäuschenstill. Dann bei der vorletzten Strophe stimmt das gesamte Ensemble in das Lied ein - „Gänsehaut-Feeling“ pur. Kaum ist der letzte Ton verklungen, verdrängt tosender Applaus die Ergriffenheit.
  
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Es waren gelungene Aufführungen, die beim Publikum gut ankamen und vor allen Dingen von einer ausgesprochen starken Gesamtleistung des Ensembles getragen wurden. Hier gab jeder für jeden sein Bestes, so wie beispielsweise Ronja Niedermayer, die als Knappe dabei war und an zwei Aufführungen kurzerhand für die erkrankte Sängerin beim Schlusslied einsprang.
 
Text: boe
Bilder: bz